Veröffentlicht am: 13. September 2021Von Kategorien: HR-Management
Outplacement faires Trennungsmanagement

Egal ob Veränderungen in der Unternehmensstruktur, Übernahmen oder Fusionen – in manchen Situationen lässt es sich für Unternehmen nicht vermeiden, Mitarbeiter:innen gehen zu lassen.

Kündigungsgespräche führen ist keine besonders angenehme Sache. Oft fühlen sich betroffene Mitarbeiter:innen unfair behandelt und perspektivlos. Doch mit Outplacement haben Personaler:innen die Möglichkeit, diejenigen, die gehen müssen, in neue, passende Jobs zu vermitteln. Unser Gastautor Dominik Schreiter von »WeggeFAIRte« klärt auf, was sich hinter Outplacement genau verbirgt.

Über unseren Gastautor

Dominic Schreiter Portrait

Dominic Schreiter | Outplacement-Berater

Dominic Schreiter ist Outplacement-Berater. Er hilft Betroffenen, bringt ihnen Wertschätzung entgegen. Sein Motto lautet: Strahlende Augen trotz Kündigung oder Aufhebungsvertrag. Ziel dabei: Neue Arbeitsstelle, neue Perspektive, neues Glück. Dominic glaubt an Fairness, Würde und Erfüllung. Deshalb auch der Name »WeggeFAIRte«. Seine Heimat ist Karlsruhe, seine Leidenschaften sind Dart spielen, jonglieren und Miezekatzen.

Definition: Was ist Outplacement?

Der Begriff »Outplacement« bezeichnet eine professionelle Hilfe zur beruflichen Neu- oder Umorientierung.
Ausscheidende Mitarbeiter:innen bekommen diese vom Unternehmen bezahlt – in Form von Einzel- oder Gruppenoutplacement. Ziel ist es, für Betroffene eine neue Stelle zu finden, die wirklich glücklich macht. Der Vorteil für Mitarbeiter:innen liegt auf der Hand.

Aber was haben die Betriebe davon? Hat das Unternehmen eine faire Trennungskultur, vermittelt dies spezielle Werte innerhalb und außerhalb des Unternehmens: Es wirkt auf die verbleibende Belegschaft, Kunden, Partner, Lieferanten usw. – und hat somit auch einen Effekt auf Employer Branding, Image, Presse, Fluktuation, Loyalität, Umsatz und Gewinn. Mal ganz davon abgesehen, dass man nebenbei Rechtsstreitigkeiten verhindert. Die kommen häufiger vor, als viele glauben.

Welche Gründe sprechen für Outplacement?

Ursachen, Mitarbeiter:innen gehen zu lassen und eine neue Stelle für sie zu finden, gibt es reichlich – manchmal unerfreulich, manchmal verständlich. Zu den häufigsten Gründen gehören:

  • Globalisierung und Outsourcing

  • Marktveränderungen

  • Fusionen

  • Übernahmen

  • Rationalisierung

  • Wachstum

Oft begegnen einem auch Grundsätze wie Leistungsgedanke, Konkurrenzdenken, Unsicherheiten. Nicht nur bei Konzernen führt das zu Stellenabbau, Auflösung großer Abteilungen und ganzer Betriebe, Verlagerung von Arbeitsplätzen an andere Standorte oder zu Führungswechseln.

In diesen Fällen trennt sich das Unternehmen mit Kündigungen und Aufhebungsverträgen von Menschen. Nicht nur Fachkräfte sind betroffen – sondern auch Führungskräfte. Einen Outplacement Berater zu engagieren, kann am Ende sogar weniger kosten als Rechtsstreitigkeiten oder lange Vertragsrestlaufzeiten. Es spart Nerven, Ärger und Zeit. Ein gutes Gewissen gibt es gratis obendrauf.

Betroffene möchten Arbeitslosigkeit vermeiden, eine (neue) Erfüllung finden. Sind Angestellte schon lange im Betrieb, fehlt ihnen oft das Know-how über die eigenen Stärken und Kompetenzen, zum Beispiel wie man aktuell Bewerbungen schreibt oder Stellen sucht. Systematische und professionelle Begleitung, aufgefangen und motiviert werden: All das sind Gründe für Outplacement.

Der Trennungsprozess ist oft etwas, das die Unternehmensführung schnell erledigen möchte. Doch man sieht sich immer zweimal im Leben. Deshalb mein Vorschlag: Geht fair miteinander um, menschlich und wertschätzend.

Dominic Schreiter – Outplacement-Berater

Wie läuft Outplacement ab?

Sinn und Zweck der Beratung ist es, dass Menschen nach der Trennung neues berufliches Glück finden. Wie kann das gelingen? Zunächst durch Auffangen, Zuhören und Aufarbeiten der Vergangenheit. Es folgen Werte, Lebensmotive, Bedürfnisse und Haltung – was also macht den Menschen aus? Erste Ideen für den Neuanfang werden geboren.

Als nächstes kommt das Warum ins Spiel, die Vision. Aus all diesen Dingen besteht das Fundament – darauf kann das Strategie-Haus gebaut werden. Es benötigt aktive Unterstützung bei Vorbereitung, Ausführung und Nachbereitung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, gerade bei der Bewerbung und Verstellungsgesprächen. Dazu kommt eine riesige Portion Persönlichkeitsentwicklung on top.

Grundsätzlich kann man zwischen drei verschiedenen Outplacement-Arten unterscheiden:

Einzeln

In Einzel-Gesprächen gibt es Inhalte, Übungen, Inspiration – sowie jede Menge Zeit für alle Fragen und professionelle Unterstützung bei beruflicher Neuorientierung: Eine neue Berufung findet niemand durch Fingerschnippen. Outplacement ist oft unendlich effektiver als »nur« Abfindung.

In der Gruppe

Outplacement-Beratung in einer Gruppe lohnt sich für diejenigen, die sich mit anderen austauschen wollen und gegenseitige Unterstützung suchen. Diese Trainings fangen auf, setzen Fokus, inspirieren – und machen neuen Mut.

Online

Die virtuelle Beratung kann als Alternative zu physischen Treffen genutzt werden – oder auch ergänzend dazu. Videotelefonie macht es möglich, auch hier die Beratung empathisch zu gestalten und Vertrauen aufzubauen. Durch die Übertragung von Bildschirm-Inhalten kann Outplacement virtuell genauso gut funktionieren wie vor Ort.

Nutzen von Outplacement: Was habe ich als Unternehmen davon?

Wenn Outplacement-Berater:innen frühzeitig mit ins Boot geholt werde, kann das Unternehmen hohe Kosten sparen. Die betroffene Person findet zügig eine neue Arbeitsstelle, was eine kürzere Vertragsrestlaufzeit bedeutet. Weiterer Nutzen: Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten. Dass sich Unternehmen und ehemalige Mitarbeiter:innen vor Gericht wiedersehen, ist leider nicht unüblich. Wie oft bekommt man mit: »Immer öfter werde ich bei der Arbeit nicht wertgeschätzt / unfair behandelt / ausgenutzt«.

Kosten sparen Unternehmen auch langfristig: Nehmen wir an, ein Unternehmen behandelt 20 Mitarbeiter:innen fair und übernimmt das Outplacement für sie. Das freut alle Beteiligten. Und darüber hinaus noch die Menschen, die im Unternehmen verbleiben. Die Loyalität sollte man nicht unterschätzen. Genau diese überträgt sich in diesem Fall auf das Unternehmen. Outplacement stärkt also die Mitarbeiterbindung.

In Zeiten von Social Media kann jeder alles veröffentlichen. Verhält sich ein Unternehmen »unfair«, hat das Auswirkungen. Schlechte Bewertungen oder sogar ein Shitstorm sind schlimm genug. Dazu kommt: Enorme Kosten entstehen indirekt dadurch, dass mögliche Bewerber:innen dem Unternehmen fernbleiben – weil sie die schlechte Online-Reputation lesen, schlechte Aussagen gehört haben usw. Ein Schaden, der in die Millionen gehen kann.

Outplacement Orientierung

Mehrwert für Mitarbeiter:innen: Was bringt Outplacement den Betroffenen?

Für ausscheidende Mitarbeiter:innen bietet Outplacement einen entscheidenden Vorteil: Ihnen wird geholfen, schnell und zielgerichtet einen passenden Job zu finden. Sie erhalten theoretisches Know-how und praktische Hilfe bei der Jobsuche, der Zusammenstellung von Bewerbungsunterlagen und Vorbereitung auf das persönliche Kennenlernen. Gerade nach einer Kündigung darf auch die emotionale Unterstützung, die ein Outplacement-Beratung mitbringt, nicht unterschätzt werden.

Zugleich kann das Ausscheiden aus einem Unternehmen der passende Zeitpunkt sein, sich beruflich umzuorientieren. Schon lange ist es nicht mehr so, dass man sein ganzes Leben ein- und demselben Job nachgeht. Vielleicht haben sich die Interessen geändert, vielleicht haben sich ganz neue Jobmöglichkeiten und Positionen aufgetan, die es zu erkunden gilt. Vielleicht kommt sogar eine Umschulung in Frage. Hier kann Outplacement beraten.

Dominik Schreiter erfährt in seinem seinem Arbeitsalltag:

Die größte Wertschätzung kommt mir entgegen, wenn Menschen sagen: »Das geschützte Setting im Outplacement ist wundervoll. Vertraulichkeit ist nicht selbstverständlich. Während der Beratung blühe ich auf. Das hatte ich nicht für möglich gehalten nach der Kündigung. Ich weiß jetzt ganz genau, wer ich bin und was zu mir passt.«

Fazit: Outplacement ist für beide Seiten vorteilhaft!

Trennungskultur ist eine enorme Führungsaufgabe: Fairness, Wertschätzung und Nachhaltigkeit sind die wichtigsten Bausteine dabei. Ob bei Kündigung oder Aufhebungsvertrag – Outplacement bietet eine faire Lösung für eine berufliche Neuorientierung. Das hat zahlreiche Vorteile für alle Beteiligten – und kann für Unternehmen entscheidend zur Mitarbeiterbindung und Personalgewinnung beitragen und damit auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Mit Outplacement werden Verhandlungen zu einer Win-Win-Situation: »Ein Mensch fühlt sich oft wie verwandelt, sobald man ihn menschlich behandelt« (Eugen Roth).

FAQ-Bereich: »Was ist Outplacement?«

Beim Outplacement erhalten entlassene Mitarbeiter:innen professionelle Hilfestellung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz: von Bewerbungstraining über Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch bis hin zu Coaching von Mindset, Werten und Lebenszielen.
Outplacement hilft allen Beteiligten. Dem Unternehmen spart es viel Geld – und mehr: Ein faires Auseinandergehen erhöht das Image und die Loyalität. Menschen honorieren es, wenn sie gut behandelt werden. Den Betroffenen hilft es enorm, weil sie nach dem Jobverlust aufgefangen werden. Sie sehen neue Perspektiven und finden schnell neues (Arbeits-)Glück.

Diese Hilfe zur Neuorientierung wird vom Unternehmen bezahlt, das sich vom Menschen trennt. Das gilt für Einzel- und Gruppenoutplacements. Es kann auch Bestandteil im Sozialplan sein. Wie hoch die zusätzliche Abfindung ist, hängt vom Einzelfall ab. Darüber hinaus können auch Selbstzahler die Karriereberatung in Anspruch nehmen. So kann ein Teil der Abfindung zum Beispiel für Karriereberatung verwendet werden.

Die Trennung ist nie einfach – für beide Seiten. Und niemand wünscht sich rechtlichen Streit, Existenzängste, schlechtes Gewissen, Frust und Kummer. Outplacement gibt Hoffnung, Kraft und den Mut zum Neubeginn. Die Lösung soll sich für beide Seiten mehrfach auszahlen – auch für das Unternehmen: Verbleibende Mitarbeiter:innen sind motivierter, ausscheidende sind dankbarer. Zudem hat wertschätzende Trennung (sprich: Outplacement) eine Außenwirkung und kann dadurch neue Mitarbeiter:innen, Kunden und Partner anziehen.

Outplacement kann als Einzelberatung oder Gruppentrainings durchgeführt werden. Der Zeitraum liegt gewöhnlich zwischen 3 und 12 Monaten, aber auch einzelne Tage sind buchbar. Gruppenoutplacement ist oft Bestandteil eines Sozialplans. Ein spezielles Angebot richtet sich an introvertierte Menschen – ebenfalls als Einzel- oder Gruppen-Outplacement buchbar.

Outplacement bietet sich für Fach- und Führungskräfte aller Branchen an. Es kann zum Beispiel ein Personaler sein, eine Ingenieurin, ein Mechaniker oder eine CFO, also unabhängig von Ausbildung, Hierarchie-Ebene, Einkommen oder Betriebszugehörigkeit.

Dieser Begriff wird oft als Synonym für Outplacement verwendet. Die Bezeichnung »Newplacement« legt den Fokus auf das Neue, eine Neuorientierung und die darin liegende Hoffnung und Chancen.

Über unsere/n Autor:in

Sabrina ist im Marketing von Searchtalent und liebt Innovation und Veränderung. Neben ihrer Leidenschaft für Text, SEO und Trello-Boards hat sie eine ausgeprägte Schwäche für Rentiertassen und Sicherheitskopien.

Weitere Beiträge lesen